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Dirigent flüchtete von der Bühne

Erstellt am Dienstag, 13. April 2004 21:48
Geschrieben von Alfons Schneiders
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FrühjahrskonzertFrühlingskonzert des Musikverein Gevenich

Mit einem Strauß bunter Melodien begrüßte der Musikverein Gevenich den Frühling. Intensiv hatten sich die 45 Musiker unter der Leitung von Rainer Jahnen vorbereitet. Das konnten die Besucher beim Konzert am Samstag, 20. März im vollbesetzten Bürgerhaus in Gevenich hören.

Zur Eröffnung spielte der Musikverein die schwungvolle Ouvertüre „Music-Festival“. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden Günther Keßeler übernahm Peter Rielau die Moderation des Abends. Informativ erläuterte er den Zuhörern das Leben und Werken der Komponisten und stimmte das Publikum auf die Musikstücke ein.

Mit der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ hat Engelbert Humperdinck eine der bekanntesten deutschen Opern geschrieben. In dem Potpourri spielten die Musiker Melodien berühmter Volks- und Kinderlieder wie „Der Abendsegen“, „Brüderchen komm tanz mit mir“ oder „Ein Männlein steht im Walde“. Eine Reise durch Russland unternahmen die Musiker mit der Melodienfolge „Russisches Tagebuch“. Ob „Kosakenpatroullie“, „Lied der Taiga“ oder „Bubliczki“- so schwungvoll oder melankolisch wie das Land ist wurde dieses Potpourri vorgetragen.

Die Vielfalt amerikanischer Gospelsongs hat Paul Yoder in „Spiritual Rhapsody“ zu einem wunderbaren Klangwerk für Sinfonisches Blasorchester arrangiert. Zum Abschluß des ersten Teils spielte der Musikverein den berühmten englischen Orchestermarsch „Pomp and Circumstance Nr. IV“ von Sir Edward Elger. Besonders das melodische Trio des Marsches ist ein Genuß für die Ohren.

Nach einer kurzen Pause versetzten die Musiker ihre Zuhörer mitten in die Seeschlacht um Manila im Jahre 1898 hinein. Mit dem Marsch „Blaze away – Feuert los“ beginnt, infernalisch wie das Krachen der Schiffskanonen, der zweite Teil des Konzertes.

„Indian Summer“ erzählt in einer 4-sätzigen Suite von der Geschichte und Kultur eines Indianerstammes in den Weiten eines noch freien Amerikas. Im 1.Satz spricht der Große Häuptling würdevoll zu seinem Stamm. „By The Cool Waters“ heißt die Liebesmelodie im zweiten Satz. Im dritten Satz feiert der Stamm und tanzt um den Marterpfahl. Den Geist des Großen Manitou beschwört der 4. Satz.

Zu den berühmtesten Musicals von Andrew Lloyd Webber gehört zweifelsohne „Cats“. Eine Selection der bekanntesten Meldodien spielte der Musikverein. Vor allem glänzten hier Trompete, Saxophon, Waldhorn und Es-Klarinette mit Solopassagen.

Einer der bekanntesten Musiker der Gegenwart ist Eric Clapton. Viele seiner Lieder sind ein Spiegelbild seines bewegten Lebens. „Wonderful Tonight“ , „Layla“ und „Tears In Heaven“ sind seine größten Hits, die im Medley „Cream Of Clapton“ eindrucksvoll arrangiert sind.

Zum Abschluß des offiziellen Programms durfte das Posaunenregister sein Können zeigen. Der Song „Matrimony“ voFrühlingskonzert des Musikverein Gevenichn Gilbert O´Sullivan bildete den gelungenen Abschluss des Konzertes. Doch die Zuhörer ließen die 45 Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Beim „Marsch-Konfetti“, einem Potpourri aus 30 Märschen und Melodien schlichen sich bei den Musikern Unkonzentriertheit und Übermut ein. Schlagzeuger ließen Becken fallen, Carmen tanzte über die Bühne und die Hörner wurden bei ihrem Solo „Der Jäger aus Kurpfalz“ aus der Saxophonecke beschossen. Als der Narrhalla-Marsch erklang prasselten Konfetti und Kamelle auf die Zuschauer nieder. Auf der Bühne herrschte das blanke Chaos. Dirigent Rainer Jahnen bekam sein Orchester nicht mehr in den Griff. Besonders stark setzte ihm das Posaunenregister zu, das ständig andere Lieder spielte. Völlig konsterniert zeigte er ihnen die Rote Karte, verließ die Bühne und suchte sein Heil im Rotwein. Derweilen spielte das Orchester munter weiter. Höhepunkt war das Lied der „Lustigen Holzhackerbuam“. Dort flogen im wahrsten Sinne des Wortes die Späne.

Schier aus dem Häuschen war nach diesem kurzweiligen Musikstück das Publikum. Anhaltender Beifall war der Lohn für die musikalische und schauspielerische Leistung der Musiker. Dirigent Rainer Jahnen bedankte sich bei den Zuhörern: „Ihr ward ein tolles Publikum, es hat Spaß gemacht für Euch zu spielen“. Als letzte Zugabe spielten die Musiker die Abschiedsmelodie „Auld Lang Syne“.

Eine Umfrage unter den Konzertbesuchern wird zur Zeit ausgewertet. Denn die musikalischen Wünsche der Zuhörer möchte der Musikverein beim nächsten Konzert (vielleicht zum 40. Geburtstag des Vereins im nächsten Jahr) berücksichtigen.

Ein solcher Abend ist ohne die vielen Helfer im Hintergrund nicht möglich. Besonders bedankt sich der Musikverein bei den Musikerfrauen, die wie immer vorzüglich die Bewirtung übernommen haben. Auch Herrmann Eberhard als Hoffotograf und Tontechniker gilt unser Dank. Bemerkenswert ist auch der Idealismus unseres Ex-Tubisten Jürgen Raabe. Zu jedem Konzert packt er seine Tuba wieder aus, übt zu Hause und scheut Freitags nicht den Weg von Köln nach Gevenich um so oft wie möglich an unseren Proben teilzunehmen. Gedankt sei auch allen „Weiterweggevenicher“ MusikerInnen, die Woche für Woche den Weg nach Gevenich einschlagen, um im Verein aktiv tätig zu sein.